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Der Almsommer in Salzburg is a G’fühl

Salzburger Saalachtal

Seit einem Vierteljahrhundert verbringen Marianne und Georg Schmuck aus St. Martin ihre Almsommer mit 45 Kühen und Kälbern hoch oben auf der Loferer Alm. Auch in diesem Jahr werden sie Anfang Juni wieder aufbrechen, um in den Sommermonaten auf den Bergweiden nach ihrem Vieh zu sehen.

Noch sind die majestätischen Gipfel des Salzburger Saalachtals mit letzten Schneeresten bedeckt, doch im Tal ist längst Frühling eingekehrt und alles blüht und sprießt. Am Müllergut in St. Martin weiden die schwarz-weiß gefleckten Kühe rund um den Hof. Ich treffe die Altbauern Marianne und Georg Schmuck in ihrem kleinen Haus, direkt neben dem idyllischen Bauernhof. Die Landwirtschaft haben die Altbauern schon an eins der Kinder übergeben, und doch helfen die beiden noch nach Kräften am Hof mit. In der gemütlichen Bauernstube erzählen mir die beiden von ihren 28 Sommern, die sie gemeinsam auf der Alm verbracht haben.

Vorbereitungen für den Almsommer im Salzburger Land

„Nicht mehr lange, dann starten wir wieder mit den Vorbereitungen für den nächsten Almsommer“, verrät mir Georg Schmuck und fügt hinzu: „Sobald die Bergstraße bis zur Alm schneefrei ist fahre ich rauf zum Holz machen. Das staple ich dann sonnseitig an der Hüttenwand, damit es gut trocknen kann, bis wir wieder oben einziehen. Denn auf der Alm ist es abends kalt und selbst im Sommer heizen wir den Ofen an.“ Die urige Hütte der beiden liegt auf 1.500 m, mitten in der Almenwelt Lofer und wird im Winter an Urlaubsgäste vermietet. „Bevor wir übersiedeln ist einiges zu tun. Wir müssen die Zäune, die im Herbst niedergelegt wurden, wieder aufstellen, das Milchgeschirr für die Kühe hinaufbringen und einen Generalputz in und rund um die Hütte erledigen“, meint Marianne, und die Vorfreude ist ihr bereits anzusehen.

Anfang Juni ist es dann soweit. Wurden die Kühe und Kälber früher noch zu Fuß in rund vier Stunden auf die Alm getrieben, werden sie heute bequem mit dem Transporter nach oben gebracht. „Für uns und für die Kühe ist das weniger mühevoll. Nach so einem Almauftrieb dauerte es sonst immer ein paar Tage, bis die Kühe wieder ausreichend Milch gaben“, erklären die beiden. 45 Kühe und Kälber wechseln so vom heimischen Stall in ihr malerisches Sommerdomizil wo sie die feinsten Almkräuter und viel Ruhe in ihrem Urlaub genießen. Die Almleute packen dann die wichtigsten Grundnahrungsmittel und ihre Siebensachen für den Almsommer ins Auto und verlassen ihren Erbhof Müllergut, der seit 1658 in Familienbesitz ist und seit 1962 als Biobauernhof geführt wird.

Spektakuläre Sonnenaufgänge – Urlaub auf den Almen

Das Ankommen auf der Alm beschreiben die beiden mit einem Strahlen in den Augen: „Wir lassen die Sorgen im Tal zurück. Oben auf der Alm sind wir (auch im Kopf) freier und die Almzeit ist trotz der vielen Arbeit immer wieder schön. Und wenn auf der Alm die Arbeit getan ist, ist Feierabend – unten am Hof hört die Arbeit einfach nie auf. Das Ticken der Uhr treibt die Leute im Tal an – auf der Höhe wird die Arbeit im Rhythmus des Sonnenstands verrichtet.“ Die Arbeitstage der beiden Almleute beginnen noch vor dem ersten Sonnenstrahl, um fünf Uhr morgens. Wecker brauchen Marianne und Georg keinen, wie sie berichten: „Meistens weckt uns das Läuten der Glocken unserer Kühe, die von selbst von der Weide zum Stall kommen. Ich begrüße sie mit einem ,Kuhdei, brav seids!’, denn durch ihr selbstständiges Erscheinen müssen wir nicht erst weit hinauswandern, um sie zum Melken zu holen. Doch bevor es in den Stall geht, genießen wir erst einmal den Sonnenaufgang.“ Ob man sich nach so vielen Jahren von den unzähligen Sonnenaufgängen nicht sattgesehen habe, möchte ich wissen und lachend schütteln die beiden den Kopf: „Nein, das ist jeden Tag aufs Neue ein wunderbares Spektakel. Direkt neben dem Gaisberg in der Stadt Salzburg sehen wir die Sonne am Horizont auftauchen und die Landschaft in flüssiges Gold tauchen. Das ist unser Kino und wie auf Logenplätzen dürfen wir dieses Schauspiel täglich beobachten. So starten wir gern in den Tag und beginnen mit dem Einfüttern und Melken der Kühe im Stall.“

Almfrühstück in der Sonne

Nach dem Melken und Ausmisten gehen wir erst einmal Frühstücken. Und dafür nehmen wir uns viel Zeit. Bei schönem Wetter setzen wir uns vor die Hütte und genießen das am Hof selbst gebackene Schwarzbrot mit Butter, Marmelade und Honig. Das ist für uns mitunter der schönste Augenblick des Tages, und nach der Rückkehr ins Tal vermissen wir diese Momente am meisten.“ Die frische Kuhmilch wird im Anschluss an das Frühstück ins Tal gebracht, wo sie in den Tank für die Molkerei gepumpt wird. Im Hochsommer helfen die beiden daheim am Hof beim Heuen und kümmern sich um die Blumen, bevor es nach einem Mittagessen wieder hinauf auf die Alm geht. Um 16 Uhr ist wieder Melkzeit und nach dem Stallputz darf das Vieh wieder auf die Weide. Mindestens zweimal die Woche wandern Marianne und Georg danach noch zu den höher gelegenen Weiden, um nach dem Jungvieh zu sehen. 

Fehlt ein Stück, gehen sie auch am nächsten Tag gleich wieder los, um Nachschau zu halten. „Meist taucht es wieder auf, doch es kam auch schon vor, dass eins vom Blitz erschlagen wurde. Im Jahr 1990 verloren wir bei einem Gewitter gleich acht Tiere“, erzählt Georg Schmuck, dem die Sorge um seine Kühe ins Gesicht geschrieben steht. 

Gemütlicher Ausklang eines Arbeitstages

Ist alle Arbeit getan, können sich die Almleute endlich Ruhe gönnen. Sie erzählen: „Wenn wir um 19 Uhr alles erledigt haben, sind wir zufrieden. Gern kochen wir uns als Nachtmahl ein typisches Almgericht, ein ,Moosbeer-Muas’. Und wenn es der Empfang zulässt, schauen wir uns die Nachrichten an, um zu wissen, was in Salzburg und der Welt passiert. Doch das funktioniert oben am Berg nicht immer. Wir genießen die gemeinsamen Alm-Abende. Manchmal bekommen wir auch Besuch von unseren Kindern und Enkelkindern. Oder Georgs Bruder Hans, der auf einer benachbarten Almhütte den Sommer verbringt und wie Georg eine wunderschöne Stimme besitzt, schaut nach der Arbeit noch vorbei. Dann singen wir alte Almlieder in der Stube. Doch spätestens um 21 Uhr ruft das Bett, denn wir müssen auch am nächsten Tag wieder früh raus.“ 

Wilde Wetter und Bräuche am Berg

Doch nicht immer scheint am Berg die Sonne und in der exponierten Lage kann ein sommerliches Gewitter schnell ungemütlich werden. Marianne bekennt: „Der Wind kann hier auf der Alm ganz fürchterlich gehen. Und besonders in der Nacht, wenn Blitze zucken und der Donner kracht, dann fürcht’ ich mich schon recht. Nach einem Gewitter müssen wir auch gleich nach dem Vieh sehen, doch die meisten spüren ein drohendes Unwetter und kommen ohnehin zeitgerecht von selbst zum Stall und stellen sich unter.“ Jeden Samstag bei Schönwetter treffen sich alle Senner der Alm zum Rosenkranzbeten am Almkreuz und danach setzt man sich gemütlich auf einer der 18 landwirtschaftlich genutzten Almen zusammen. „Das ist bei uns so Brauch. Genauso wie das Binden der Kräuterbuschen am Tag vor Maria Himmelfahrt ist bereits Tradition. Arnika, Wermut, Schafgarbe, Pfefferminz und Brandkraut kommt hinein – die Mitte ziert Almrausch oder roter Holler. Am 15. August tragen wir den Buschen in die Kirche zum Weihen und das geweihte Kraut wird danach gut getrocknet und in zwei Teile geteilt. Ein Teil wird in den Rauchnächten zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag verräuchert und ein Teil wird dann dem Vieh zum Futter gemischt. 

Herbstlicher Abschied von der Alm

Wenn im Tal dicke Nebelschwaden hängen und sich der Almboden von sattem Grün in herbstliches Braun verfärbt, gibt das Vieh den Startschuss für den Aufbruch. „Meist Anfang September ist es soweit. Dann finden die Kühe auf der Alm nur noch wenig Futter und sie müssen dafür weite Strecken zurücklegen. Laut muhend geben sie uns bekannt, dass es jetzt langsam Zeit für den Almabschied ist. Auch wir fahren dann gern heim, denn wir wissen, dass die Talweiden noch lange grün sind und es den Kühen dort an nichts fehlt. Früher haben wir die Tiere noch traditionell aufgekranzt, wenn der Almsommer gut und unfallfrei verlaufen ist. Die prächtigen ,Furkeln’ wurden auf eigenen Halftern am Kopf der Tiere befestigt. Bunte Papierbänder, Tannenzweige und Sterne in allen Farben wurden in diesen Aufputz gewickelt. Die Leitkuh erhielt die prächtigste ,Furkel’ mit Nebelrosen und roten Almröserln. Schon zwei Tage vor dem Abtrieb wurde der Schmuck probehalber angelegt, damit sich die Kühe in Ruhe daran gewöhnen konnten. Durch den langen Heimweg allerdings war der Kopfschmuck bei der Ankunft im Tal oft schon ziemlich ramponiert”, lachen die beiden und fügen hinzu: „Heute kranzen wir nicht mehr auf, denn wir fahren ja mit dem Vieh zurück ins Tal. Doch beim großen Almabtrieb beim Bauernherbstfest in St. Martin schauen wir natürlich als Besucher vorbei, diese Veranstaltung lassen wir uns nicht entgehen.“

Almsommer halten jung

Trotz ihres hohen Alters sind Marianne und Georg noch lange nicht müde, ihre Almsommer hoch über dem Salzburger Saalachtal zu verbringen. „Wenn es die Gesundheit zulässt, gehen wir auch in den nächsten Jahren wieder hinauf. Für den Kopf ist die viele Arbeit gut – sie hält uns fit und jung. Wir nehmen unsere Aufgabe ernst, denn wir tragen Verantwortung für die wertvolle Milch, die in bester Qualität auf den Hof geliefert wird, und für unsere Kühe, die im Herbst alle wieder gesund im Tal ankommen sollen. Der Almsommer ist nicht nur eine Jahreszeit – es ist vor allem ein Gefühl! Man spürt, wenn es wieder soweit ist, seine Sachen für die unvergesslichen Monate auf der Höhe zu packen, und die Ankunft auf der Alm ist auch ein innerliches Ankommen.“

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