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Der Almsommer in Salzburg is a G’fühl

Seit einem Vierteljahrhundert verbringen Marianne und Georg Schmuck aus St. Martin ihre Almsommer mit 45 Kühen und Kälbern hoch oben auf der Loferer Alm. Auch in diesem Jahr werden sie Anfang Juni wieder aufbrechen, um in den Sommermonaten auf den Bergweiden nach ihrem Vieh zu sehen.

 

Fehlt ein Stück, gehen sie auch am nächsten Tag gleich wieder los, um Nachschau zu halten. „Meist taucht es wieder auf, doch es kam auch schon vor, dass eins vom Blitz erschlagen wurde. Im Jahr 1990 verloren wir bei einem Gewitter gleich acht Tiere“, erzählt Georg Schmuck, dem die Sorge um seine Kühe ins Gesicht geschrieben steht. 

 

Gemütlicher Ausklang eines Arbeitstages

Ist alle Arbeit getan, können sich die Almleute endlich Ruhe gönnen. Sie erzählen: „Wenn wir um 19 Uhr alles erledigt haben, sind wir zufrieden. Gern kochen wir uns als Nachtmahl ein typisches Almgericht, ein ,Moosbeer-Muas’. Und wenn es der Empfang zulässt, schauen wir uns die Nachrichten an, um zu wissen, was in Salzburg und der Welt passiert. Doch das funktioniert oben am Berg nicht immer. Wir genießen die gemeinsamen Alm-Abende. Manchmal bekommen wir auch Besuch von unseren Kindern und Enkelkindern. Oder Georgs Bruder Hans, der auf einer benachbarten Almhütte den Sommer verbringt und wie Georg eine wunderschöne Stimme besitzt, schaut nach der Arbeit noch vorbei. Dann singen wir alte Almlieder in der Stube. Doch spätestens um 21 Uhr ruft das Bett, denn wir müssen auch am nächsten Tag wieder früh raus.“ 

 

Wilde Wetter und Bräuche am Berg

Doch nicht immer scheint am Berg die Sonne und in der exponierten Lage kann ein sommerliches Gewitter schnell ungemütlich werden. Marianne bekennt: „Der Wind kann hier auf der Alm ganz fürchterlich gehen. Und besonders in der Nacht, wenn Blitze zucken und der Donner kracht, dann fürcht’ ich mich schon recht. Nach einem Gewitter müssen wir auch gleich nach dem Vieh sehen, doch die meisten spüren ein drohendes Unwetter und kommen ohnehin zeitgerecht von selbst zum Stall und stellen sich unter.“ Jeden Samstag bei Schönwetter treffen sich alle Senner der Alm zum Rosenkranzbeten am Almkreuz und danach setzt man sich gemütlich auf einer der 18 landwirtschaftlich genutzten Almen zusammen. „Das ist bei uns so Brauch. Genauso wie das Binden der Kräuterbuschen am Tag vor Maria Himmelfahrt ist bereits Tradition. Arnika, Wermut, Schafgarbe, Pfefferminz und Brandkraut kommt hinein – die Mitte ziert Almrausch oder roter Holler. Am 15. August tragen wir den Buschen in die Kirche zum Weihen und das geweihte Kraut wird danach gut getrocknet und in zwei Teile geteilt. Ein Teil wird in den Rauchnächten zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag verräuchert und ein Teil wird dann dem Vieh zum Futter gemischt. 

 

Herbstlicher Abschied von der Alm

Wenn im Tal dicke Nebelschwaden hängen und sich der Almboden von sattem Grün in herbstliches Braun verfärbt, gibt das Vieh den Startschuss für den Aufbruch. „Meist Anfang September ist es soweit. Dann finden die Kühe auf der Alm nur noch wenig Futter und sie müssen dafür weite Strecken zurücklegen. Laut muhend geben sie uns bekannt, dass es jetzt langsam Zeit für den Almabschied ist. Auch wir fahren dann gern heim, denn wir wissen, dass die Talweiden noch lange grün sind und es den Kühen dort an nichts fehlt. Früher haben wir die Tiere noch traditionell aufgekranzt, wenn der Almsommer gut und unfallfrei verlaufen ist. Die prächtigen ,Furkeln’ wurden auf eigenen Halftern am Kopf der Tiere befestigt. Bunte Papierbänder, Tannenzweige und Sterne in allen Farben wurden in diesen Aufputz gewickelt. Die Leitkuh erhielt die prächtigste ,Furkel’ mit Nebelrosen und roten Almröserln. Schon zwei Tage vor dem Abtrieb wurde der Schmuck probehalber angelegt, damit sich die Kühe in Ruhe daran gewöhnen konnten. Durch den langen Heimweg allerdings war der Kopfschmuck bei der Ankunft im Tal oft schon ziemlich ramponiert”, lachen die beiden und fügen hinzu: „Heute kranzen wir nicht mehr auf, denn wir fahren ja mit dem Vieh zurück ins Tal. Doch beim großen Almabtrieb beim Bauernherbstfest in St. Martin schauen wir natürlich als Besucher vorbei, diese Veranstaltung lassen wir uns nicht entgehen.“

 

Almsommer halten jung

Trotz ihres Alters von 75 und 79 Jahren sind Marianne und Georg noch lange nicht müde, ihre Almsommer hoch über dem Salzburger Saalachtal zu verbringen. „Wenn es die Gesundheit zulässt, gehen wir auch in den nächsten Jahren wieder hinauf. Für den Kopf ist die viele Arbeit gut - sie hält uns fit und jung. Wir nehmen unsere Aufgabe ernst, denn wir tragen Verantwortung für die wertvolle Milch, die in bester Qualität auf den Hof geliefert wird, und für unsere Kühe, die im Herbst alle wieder gesund im Tal ankommen sollen. Der Almsommer ist nicht nur eine Jahreszeit - es ist vor allem ein Gefühl! Man spürt, wenn es wieder soweit ist, seine Sachen für die unvergesslichen Monate auf der Höhe zu packen, und die Ankunft auf der Alm ist auch ein innerliches Ankommen.“

veröffentlicht von
Edith Danzer
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