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Leben unterm Gipfelkreuz: 125 Jahre Passauer Hütte

Die Passauer Hütte auf 2.051 Metern ist der einzige Hüttenstützpunkt in den Leoganger Steinbergen. Über der Mittagsscharte, zwischen Birnhorn und Fahnenköpfel, schmiegt sie sich in den Fels und ist seit 1892 beliebtes Ziel für Alpinisten und Wanderer. Michael Faber aus St. Martin im Salzburger Saalachtal ist seit 2011 Hüttenwirt und erzählt aus seinem Hüttenalltag, der Herausforderung eines Lebens unterm Gipfelkreuz und seinen absoluten Glücksmomenten hoch oben zwischen Weißbach, Saalfelden und Leogang.

 

 

Buntgemischtes Hütten-Team
Handverlesen ist das Team rund um Michi Faber und man merkt, dass der Wirt jeden seiner Leute ins Herz geschlossen hat, wenn der ehrenamtliche Bergretter erzählt: „Unser Koch, der für die gute Hausmannskost auf der Passauer Hütte sorgt, ist ein Geschichts-Student aus Wien. Keiner macht so einen guten handgezogenen Apfelstrudel, wie er. Meine Allroundkraft aus Frankfurt studiert eigentlich Geologie und meine neue Lebensgefährtin Gisela, auch eine Standesbeamtin, hilft uns an den Wochenenden in der Küche. Diese Saison habe ich auch Babu als Träger mit im Team. Er kommt aus Nepal und war als Besitzer einer Lodge selbst so etwas wie ein Hüttenwirt. Er hat beim Erdbeben in der Region Langtang alles verloren, und mit dem Geld, das er hier verdient, will er seine Lodge wieder aufbauen. Und dann sind da noch unsere fünf Hühner – drei davon kamen im Hubschrauber mit der Grundeindeckung, zwei auf der Kraxe – und zwei Katzen.“

Rucksacktaxi & Wintereinbruch
Einen Träger braucht es auf der Passauer Hütte auch, denn obwohl zu Saisonstart und noch zwei Mal bis Saisonende mit dem Hubschrauber eingedeckt wird, müssen Michi und Babu spätestens alle zehn Tage ins Tal um Brot, Milchprodukte und Frischwaren einzukaufen. Meist bei Regenwetter machen sich die beiden auf den Weg und bis zu 25 Kilo haben sie am Rückweg als Last auf der Kraxe. „Regenwetter ist bei uns hin und wieder ganz willkommen. Denn dann können wir uns etwas ausruhen. Ansonsten beginnt der Tag für uns immer schon um 5.30 Uhr mit Frühstücks- und Essensvorbereitungen. Hüttenruhe ist um 22.30 Uhr und dann gibt es für uns noch ein gemütliches Feierabendbier. Das hat Tradition und gehört für mich mitunter zu den schönsten Momenten – zu wissen, der Tag ist gut gelaufen, alle sind heil heroben angekommen und schlafen zufrieden in ihren Betten. Wenn Gisela und ich auf den Hochzink gehen möchten, machen wir das in aller Herrgottsfrühe, damit wir rechtzeitig um 5.30 Uhr wieder auf der Hütte sind. Auch diese Momente liebe ich, wenn die Sonne überm Watzmann aufgeht und unter mir die Hütte ganz dunkel und still liegt.“

So schön das Hüttenleben und so traumhaft der Ausblick ins Tal auch sind, es gibt auch etwas, das der Hüttenwirt nach einiger Zeit vermisst: „Hier oben im Fels fehlt mir im Sommer der Duft von Heu, Kuhglocken oder das satte Grün der Almen. Das merke ich aber erst, wenn ich wieder ins Tal komme und mich die Farben richtig flashen. Auch die Privatsphäre kommt mit der Zeit zu kurz, denn wir leben hier auf sehr engem Raum. Besonders wenn wir auf der Hütte eingeschneit sind. Diese Zwangspause nutzen wir zum Vorkochen und Ausrasten. Doch nach einiger Zeit würde es Hüttenkoller geben, also gehen wir Schneemannbauen, backen Weihnachtskekse, kochen uns Glühwein und stricken Hauben. Dann sind die schlechten Tage oft die schönsten Tage.“

Hütten-Anekdoten
Viele lustige Geschichten haben sich auf der Passauer Hütte in den letzten 125 Jahren wohl schon zugetragen und auch in der Pachtzeit von Michi Faber ist schon so einiges passiert. Als guter Wirt tratscht der Michi Faber nicht, doch eine Geschichte konnten wir ihm schließlich noch rauskitzeln – vom hohen Geistlichen Lorenz und der Hüttenruhe. Ob der Hochwürden nun Bischof war oder nicht, kann sich der Hüttenwirt gar nicht mehr erinnern, denn für ihn war er einfach der Lorenz. Und so kam es nach einem lustigen Hüttenabend auch so weit, dass der Geistliche die Gitarre rausholte und mit Hingabe spielte. Irgendwann wurde er vom Wirt ermahnt: „Du Lorenz, jetzt ist aber Schluss, denn die andern Gäste schlafen schon.“ Darauf soll der Geistliche gemeint haben: „Michi lass mich noch ein Lied spielen, denn wer weiß wann ich dem Herrgott das nächste Mal so nahe komm’.“ Wer noch mehr Anekdoten erfahren möchte, geht am besten selbst hinauf auf die Passauer Hütte. Zustiege gibt es in mehreren Varianten. Die, die es eher gemütlich angehen, wählen die Auffahrt mit dem Almwandertaxi von Weißbach aus. Dann geht man noch rund zwei Stunden über Waldsteige und Almböden bis hinauf in den Fels. Der knackigste und auch kürzeste Aufstieg erfolgt von Leogang – für den dreistündigen Marsch sollte man aber schwindelfrei und trittsicher sein. Auch über Saalfelden und den Lettlkaser kann man die Passauer Hütte in rund vier bis fünf Stunden über einen steilen Steig erreichen. 
 
 

TIPP: Von der Passauer Hütte lohnt ein Abstecher zum sagenumwobenen Melkerloch! 

Bei diesem Felsentor unterhalb des Birnhorns westlich vom Hochzint wird man mit einem eindrucksvollen Ausblick durch das steinerne Fenster belohnt. Der Sage nach hat der Teufel einen übermütigen Melker, der sich in der guten Milch badete, durch diese Löcher hindurch gerissen. Der Aufstieg von der Hütte führt gut beschildert über die Zintschartl in rund 30 Minuten zum Melkerloch.

 

Hier geht's zur Bergtour auf die Passauer Hütte

Tourenportal

veröffentlicht von
Edith Danzer
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