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Wasser & Klang: Fackelwanderung Seisenbergklamm

Die erlebnisreiche nachtwanderung im Salzburger Land

Eine mystische Fackelwanderung für die ganze Familie. Abendlicher Ausflug, untermalt mit heimischen Klängen der Weisenbläser, in die Seisenbergklamm.

 

Diese Kombination hat hier eine besondere Vegetation gedeihen lassen, die an einen dunkelgrünen Dschungel erinnert. Staunend betrachten wir die teils seltenen Pflanzen, als unsere Führerin uns auf die einzigartigen Kolke hinweist, die man im Felsbett des Wassers gut erkennt. Sie erklärt: „Diese kreisrunden Strudeltöpfe im harten Fels wurden über tausende Jahre von der unbändigen Kraft des Wassers ausgespült.“ 

 

Wo der Klammgeist munter poltert

Nach dem ersten Teil der Wanderung scheinen die Felswände noch etwas enger zusammenzurücken und das Wasser noch um einiges lauter zu tosen, denn wir betreten jetzt die „Dunkelklamm“. Auf diesem Abschnitt, den wir auch aufgrund der Dunkelheit ganz langsam passieren, muss ich schon ab und zu Kopf und Schultern einziehen, um durch die engen Felsdurchgänge zu passen. Ich kann gut verstehen, dass die ehemaligen Holztrifter bei ihrer Arbeit das wilde Poltern einem Geist zuschrieben. Die Naturparkführerin erzählt uns gern die Legende des Klammgeists, die hier vor vielen Jahren entstand. „Furchtlos waren die Triftknechte damals eigentlich schon. Doch im Poltern und Wüten des Wassers schienen sie immer wieder Stimmen zu hören. ,Holt’s mi aussa’ – also ,Holt mich raus!’ – entnahmen sie dem Tosen des Wassers und erblickten eine unheimliche und außergewöhnlich große Baumwurzel. Vergeblich versuchten die Burschen diese Wurzel mit den Stangen freizubekommen. Erst mit dem nächsten Unwetter zog der Wasserdruck das Ungetüm bis in den Ort, wo der Pfarrer dieses kräftig mit Weihwasser besprengte. Ein Knecht sollte die Wurzel zerteilen, doch das Holz war einfach zu hart. Als am nächsten Tag die Wurzel plötzlich verschwunden war, hieß es, dass das Weihwasser des Pfarrers den Wurzelgeist erlöst habe.“

 

Man sieht der Gruppe an, dass auf dem restlichen Weg durch die „Dunkelklamm“ alle in Gedanken beim Klammgeist und den mutigen Knechten sind, denn schweigsam werden die nächsten Minuten zurückgelegt. Nachdem wir zwischen den engen Felswänden wieder ins dämmrige Abendlicht hervorkommen wird die Klamm etwas sanfter und idyllischer. Am höchsten Punkt der Klamm rasten wir und besonders die Kinderaugen beginnen nun zu leuchten. Denn von den Guides werden nun die Fackeln aus den Rucksäcken geholt, an alle Teilnehmer ausgeteilt und entzündet. 

 

Leuchtende Kinderaugen 

Mittlerweile ist die Nacht über die Seisenbergklamm hereingebrochen und im warmen Schein der Fackeln begeben wir uns über die Holzstege zurück zwischen die engen Felswände. Auch wenn wir genau diesen Weg noch vor wenigen Minuten heraufgewandert sind, scheint er im Licht der Fackeln neue Perspektiven zu bekommen. Langsam und bedächtig tauchen wir nun auch wieder in die „Dunkelklamm“ ein und hier haben sich auch die Weisenbläser mit ihren Instrumenten eingefunden. In der Dunkelheit scheint das Wasser noch wütender zu tosen und gut hörbar poltern die Steine tief unter uns. Die Weisenbläser tauchen die Szenerie in ein mystisches Ensemble aus Klang und Lichterschein. Sanft lehnen sich die Weisenklänge gegen das kraftvolle Zischen des Wassers auf. Der weiche Feuerschein unserer Fackeln leuchtet diese Szenerie perfekt aus. „Ich hab Gänsehaut!“, meint jemand neben mir beeindruckt und ich kann nur zustimmend nicken. Ohren und Augen können sich nicht satthören und -sehen. Nur langsam setzen wir uns wieder in Bewegung und folgen nun den Weisenbläsern zurück zum Ausgangspunkt. 

Auf meinem Spaziergang zurück zum Auto habe ich immer noch dieses Bild vor Augen: leuchtende Kinderaugen, faszinierte Blicke der Erwachsenen, warmer Fackelschein und eindringliche Melodien, die von schroffen Felsen zurückgeworfen werden. „Ich denke, ich muss dem Klammgeist der Seisenbergklamm schon nächsten Sommer wieder einen Besuch abstatten“, verspreche ich mir lächelnd. 

 

zur Seisenbergklamm

 

veröffentlicht von
Edith Danzer
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