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Regenwandern entlang der Saalach

Wandern mit Gummistiefel & Kapuze

Wasser ist Leben ÔÇô das wusste auch schon Antoine de Saint-Exup├ęry – und ohne Regen w├╝rden auch wasserreiche Fl├╝sse wie die Saalach versiegen und die sattgr├╝nen Wiesen vertrocknen. Ich verb├╝nde mich mit den Tropfen und wandere im Salzburger Saalachtal von Lofer nach St. Martin. Und wer sich bewusst auf den Regen einl├Ąsst, wird positiv ├╝berrascht sein, wie viel Spa├č eine Regenwanderung machen kann. 

Ich will raus in die Natur! Doch an die Fensterscheibe prallen dicke Tropfen. Der Wetterbericht hat das Regenwetter angek├╝ndigt, und trotzdem lasse ich mir meinen Bewegungshunger nicht nehmen. Ich halte es mit Karl Valentin, der meinte: ÔÇ×Ich freu mich, wenn es regnet! Denn, wenn ich mich nicht freue, regnet es trotzdem!ÔÇť Also schn├╝re ich lachend meine wasserundurchl├Ąssigen Wanderschuhe, werfe den Regenponcho ├╝ber den geschulterten Rucksack und trete hinaus vor die T├╝r. Die Luft ist frisch und klar, aber die Berge des Salzburger Saalachtals verstecken ihre Gipfel in dicken, grauen Wolken. Doch heute zieht es mich ohnehin nicht in luftige H├Âhen ÔÇô vor mir liegt eine Talwanderung entlang der Saalach von Lofer ├╝ber Scheffsnoth bis St. Martin.  

Der Felsblock und der Teufel

W├Ąhrend ich aus dem Zentrum von Lofer hinauswandere umh├╝llt mich feiner Nieselregen. Wie ein zarter Film legt sich der Spr├╝hregen auf mein Gesicht und jagt die letzte M├╝digkeit aus der Haut. Der Weg f├╝hrt mich ├╝ber den Teufelssteg. Ein imposantes Holzbauwerk, das ├╝ber einen gro├čen Felsblock, direkt ├╝ber die wild gurgelnde Saalach, f├╝hrt. Ich erinnere mich an die Sage ├╝ber den Teufelssteg: ÔÇ×Vor langer Zeit hatte ein Mann seine Seele an den Teufel verkauft. Kurz vor seinem Tod besann er sich aber und machte sich auf den Weg zur Kirche. Der Teufel wollte ihm nachjagen, doch ein Hochwasser versperrte ihm den Weg ├╝ber die Saalach. Also schleuderte er einen gro├čen Felsblock in die Mitte des Flusses, um ihn mit zwei riesigen S├Ątzen zu ├╝berqueren.ÔÇť Lange blicke ich hinunter auf den Felsen, der das durch den Regen noch wilder tosende Wasser teilt. Feine Nebelschwaden, die an der steilen Uferb├Âschung festh├Ąngen erzeugen eine mystische Stimmung und mir ist, als k├Ânne ich das h├Ąmische Lachen des Teufels im Poltern der Saalach unter mir h├Âren. ├ťber meine eigene Phantasie lachend marschiere ich weiter und wende mich nach der Br├╝cke rechts. Hier geht es direkt am Saalachufer entlang bis zum Hubertussteg. 

Auch Kajakfahrern ist der Regen egal 

Etwa 500 Meter ist dieser Flussabschnitt der Saalach lang. Ich komme aus dem Staunen nicht heraus und lege hier etliche Pausen ein ÔÇô der Grund daf├╝r: Im Wasser tummeln sich einige Kajakfahrer, die sich geschickt durch Slalomstangen k├Ąmpfen. Auch ihnen ist das Regenwetter egal, denn die Tropfen von oben vermischen sich mit dem spritzenden Wildwasser. Ich ziehe weiter und als ich den Wasserlauf der Saalach verlasse und auf das Scheffsnother Dorf zuwandere, wird mir pl├Âtzlich klar, dass eine Regenwanderung einen ├╝berraschenden Vorteil bietet. Bei klarem Wetter w├╝rde ich mich jetzt wahrscheinlich nicht von den felsigen Flanken der Loferer Steinberge sattsehen k├Ânnen.

Mein Blick w├╝rde in die Ferne schweifen. Heute aber, die Berge sind ja nicht zu sehen, fokussiert sich meine Aufmerksamkeit auf das Naheliegende, und ich nehme jedes Detail der Fauna und Flora entlang der Saalach in mich auf. Fast kann ich die Jubelschreie der kleinen Pfl├Ąnzchen h├Âren. F├╝r die Natur ist Regen eine pure Erfrischungskur und die Luft ist reingewaschen von Staub und Pollen.

Abstecher in die Strohwollner Schlucht

Mitten in dem kleinen Bauernweiler von Scheffsnoth steht ein Brunnen, und nur zu gerne stille ich hier am reinen Quellwasser meinen Durst. W├Ąhrend ich das k├╝hle Wasser genie├če, bewundere ich die wundersch├Ânen Bauernh├Âfe ringsum. ├ťppiger Blumenschmuck ziert die alten Holzbalkone und auch die kleinen Bauerng├Ąrten quellen ├╝ber vor bunter Bl├╝tenpracht. ├ťber einen Wanderweg kehre ich nun wieder zur Saalach zur├╝ck und bin ├╝berrascht, wie ruhig das Wasser auf diesem Flussabschnitt ist. War die Saalach eben noch wild und ruppig, so zeigt sie sich hier entspannt und zahm. Ich wandere Richtung Strohwolln, am Campingplatz Grubhof vorbei und entschlie├če mich spontan zu einem Abstecher in die Strohwollner Schlucht. Durch den Regen ist diese Klamm noch imposanter, als an trockenen Tagen und ich genie├če den Ausblick von den Holzstegen auf das wild sch├Ąumende Wasser. Etwa 40 Minuten brauche ich f├╝r den Aufstieg durch die Klamm und kehre ├╝ber einen Wanderweg wieder retour. Die Regentropfen werden nun schwerer und der Nieselregen geht in den ber├╝chtigten Salzburger Schn├╝rlregen ├╝ber. In St. Martin lasse ich daher die Kneippanlage diesmal links liegen, denn kaltes Wasser an den Beinen w├Ąre heute wohl zuviel des Guten. 

Retourweg durchs Moor

Von St. Martin f├╝hrt mich mein R├╝ckweg entlang des Moosbachs. Hier wird immer noch Torf gestochen, der im Gasthof Hochmoos f├╝r heilsame Moorpackungen verwendet wird. Durch das Gumpinger Moos mit seinen vielen kleinen Heustadeln kehre ich nach Lofer zur├╝ck. Langsam lichten sich nun die Wolken und sogar der eine oder andere Sonnenstrahl findet seinen Weg durch den abklingenden Regen. Ich f├╝hle mich belebt durch diese Wanderung und freue mich nun auf eine Einkehr mit deftigen regionalen Spezialit├Ąten. Doch zuvor muss ich unbedingt noch etwas erledigen, das mich schon die gesamte Wanderung reizt. Ich nehme Anlauf und springe mit einem Juchitzer beidbeinig in die gr├Â├čte Regenpf├╝tze am Weg vor mir. Eine Wasserfont├Ąne spritzt rund um mich auf und ein vorbeikommender Radfahrer lacht wissend: ÔÇ×Innen drin bleiben wir immer noch das Kind, das den Regen wegen der Pf├╝tzen liebt!ÔÇť

Zur Regenwanderung

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