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Das Salzburger Saalachtal hat seinen Triftsteig wieder

ein kniffliges Projekt

Dieser kleine, aber feine Weg bewegte in den 1980ern sogar den Bundespräsidenten, höchstpersönlich zur Eröffnung anzureisen. 2013 wurde er durch das große Hochwasser zerstört. Jetzt ist er wieder aufgebaut.

Es war ein kniffliges Projekt, das Mitarbeiter der Gemeinde und des Tourismusverbandes in zwei Jahren durchzogen. „Eine große Herausforderung. Da war ja nix mehr da, keine Stege, keine durchgängigen Wege“, schildert Projektleiter Hans Wimmer und geht gedanklich zurück zum Jahrhundert-Hochwasser. Da bietet sich entlang der Saalach ein schauriges Bild. Mit ungezähmter Kraft bahnt sich diese den Weg hinauf zum Triftsteig und reißt Geröll, Steine, ja ganze Bäume mit sich. Von weit oben stürzen die angeschwollenen Bäche herab und vereinigen sich im wilden Reigen mit dem Fluss. Ein ohrenbetäubendes Brausen und Tosen ist das, kurz gesagt ein Höllenlärm, der dem Namen Teufelsschlucht alle Ehre macht. Als dann wieder Ruhe einkehrt, in diesem mächtigen Naturschauspiel, ist auch der alte Teufelssteg Geschichte. – Und damit die Verbindung des idyllischen Wanderweges von Lofer nach Scheffsnoth durchschnitten. Ein neuer Teufelssteg wird 2016 gebaut. Der Triftsteig aber, der entlang der Teufelsschlucht flussabwärts zum Ortsteil Au führt, muss warten. Nicht nur aus finanziellen Gründen. Auch, weil eine Sanierung an vielen Teilstücken reine Handarbeit bedeutet. Dort, wo die Hänge steil abfallen und es durch dichten Wald geht, kommt kein Bagger hin, kann keine Seilwinde bedient werden.

„Gemmas an!“ oder: „Yes, we can!“

2018 geben Gemeinde und Tourismusverband den Startschuss für dieses schwierige Unterfangen. Im ersten Teilstück kann man anfangs noch mit dem Baukran arbeiten und Betonfundamente erstellen. Da, wo jetzt eine Brücke hinkommt, war der Weg buchstäblich weggebröselt. Nach einigen Monaten steht er schon, der robuste neue Steg auf 10 m langen Eisenträgern. Die Männer arbeiten sich Schritt für Schritt vorwärts. Wo das Erdreich weggespült wurde, legen sie Gewerke aus Lärchenholz an und unterfüllen diese mit Erde und Geschiebe. Den Wald hinunter legen sie Rohre, durch die sie den Schotter hinabrieseln lassen. Längst hat auch der Minibagger ausgedient, der zuletzt im Schlamm versunken war und nur mit großer Mühe herausgezogen werden konnte. Jetzt geht alles nur mehr mit reiner Muskelkraft – und von oben. Vom Radweg aus laden sie die 10 m langen Lärchenstämme ab, entrinden sie und schicken sie auf die Reise, hinunter durch das Dickicht. Das funktioniert nur mit kräftigem Zurückhalten und geschicktem Lancieren, damit die Stämme nicht ungebremst in die Saalach sausen. Unten angekommen, müssen sie gedreht und präzise in Stellung gebracht werden. Mühsam ist es immer, aber besonders, wenn es in Strömen gießt. Dann nämlich sei der Dreck auch in die Schuhe hineingeronnen, erzählt Hans Wimmer, der Bauhofleiter, der sich heute über das gelungene Werk freut. Dafür haben die Arbeiter rund 2000 Arbeitsstunden aufgewendet und 275 Tonnen an Schotter und anderen Baumaterialien zur Baustelle geschafft. 90.800 Euro betrugen die Kosten der Triftsteig-Sanierung für Fremdfirmen.

Auch der Bundespräsident hinterließ hier seine Fußspuren

Der ehemalige Verkehrsvereinsobmann Felix Dürnberger war der erste gewesen, der 1959 den Triftsteig für Wanderer anlegte. Dies in ganz uriger Form und teils mit Leitern als Kletterhilfen. Der Steig wurde allerdings durch das Hochwasser 1966 ruiniert. Zwei Jahrzehnte später drängt Verkehrsvereins-Vizeobmann Arno Stainer auf eine Sanierung. Er kann zahlreiche Freiwillige motivieren, die zusammen mit Arbeitern des Tourismusverbandes in vielen Stunden etwa den Schotter mit der Scheibtruhe zum Weg karren.

Und weil Arno Stainer schon immer die Welt von seiner Heimat Lofer begeistern wollte, schreibt er dem Oberhaupt der Alpenrepublik, ob er nicht den neuen Triftsteig 1986 höchstpersönlich eröffnen wolle. „Entschuldige bitte, aber bei diesem Wegelchen“, ist dazu der Tenor in der Gemeinde. Da kommt eines Tages dann der unerwartete Anruf  aus dem Büro des Präsidenten und dessen Zusage. „Ich glaubte zuerst an einen Scherz. Aber es war wirklich die unverkennbare, tiefe Stimme Rudolf Kirchschlägers“, so Arno Stainer, der am Triftsteig übrigens den ersten „Themenweg“ Österreichs anlegte. Dies mit Tafeln über die Geschichte der Holztrift auf der Saalach.

Erinnerung an die Holztrift auf der Saalach 

Die Teufelsschlucht mit ihren gewaltigen Wasserstrudeln, großen Steinen und Felsen zieht heute Jahr für Jahr internationale Kajak- und Kanufahrer an. Was für sie die Spielwiese ist, war für ehemalige Triftknechte der Kampf um das Holz. Das wurde nämlich über die Jahrhunderte auf der Saalach nach Bad Reichenhall transportiert, sprich getriftet. Dort brauchte man es in Riesenmengen zum Heizen der Sudpfannen. In denen dampfte das Salz, das „weiße Gold“ dieser Zeit. Das Triften begann bei der Schneeschmelze und bei starkem Regen. Gleichzeitig wurden die aufgestauten Seitenbäche des Flusses aktiviert. Die brachen heraus, sobald die Klausentore geöffnet wurden. In ihnen donnerte das eingeworfene Brennholz für die Saline zu Tal. An der Saalach mussten die Männer mit langen Stöcken Holz-Verklausungen lösen. Manche wurden dabei mitgerissen und ertranken. Die Trift auf der Saalach endete 1911 mit dem Bau des Saalachkraftwerks und des Stausees in Bad Reichenhall. Danach verfielen die alten Triftsteige an der Saalach. Schöne Teilabschnitte aber wurden im heutigen Triftsteig miteinbezogen.

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