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Ein Balkon hoch über Lofer

PAUSENGESPRÄCHE

Das Gföllhörndl im Rücken, die Loferer Steinberge am Horizont und Lofer unter sich ausgebreitet: Auf der Bräugföllalm hoch über dem Tal nimmt sich Georg „Schurl“ am liebsten eine Pause vom Alltag. Regelmäßig kommt der Krepperbauer aus Lofer hier herauf, um nach dem Jungvieh zu sehen – und sich dabei ein bisschen wie am Meer zu fühlen.

Sein Tag beginnt um 5 Uhr früh. Das hält Georg aber nicht davon ab, mindestens einmal pro Woche zur Bräugföllalm hinaufzugehen. „Bevor es in unserem Gastbetrieb losgeht, komme ich gerne hier herauf“, erzählt Georg und lässt den Blick über das Bergpanorama schweifen. „Dort drüben sehe ich dann die Sonne aufgehen“, sagt er und zeigt auf einen Punkt am Horizont. „Das Tal unten liegt zu dieser Zeit oft noch im Nebel. Ich komme mir dann manchmal vor, als würde ich am Meer sitzen.“ Georg lacht. „Es ist einfach unglaublich schön, wenn das Steinerne Meer und die Loferer Steinberge aus diesem Nebelmeer herausschauen.“

„Die Alm ist so, wie sie immer gewesen ist“

Wir sitzen mit dem jungen Krepperbauern auf einer Bank mit Blick ins Tal. Nur wenige Schritte neben uns steht eine langgezogene Almhütte, umgeben von grünem Farn und bunten Wiesenblumen. „Wir haben die Bräugföllalm gepachtet“, erzählt Georg. „Von Anfang Juni bis September ist unser Jungvieh hier oben.“ Rund 20 Tiere sind das im Schnitt, die im Schatten des Gföllhörndl die Sommerfrische genießen. Georg rückt seinen Stab zurecht, den er sich quer über den Schoß gelegt hat. „Mir gefällt, dass die Alm noch sehr ursprünglich ist“, nimmt er den Faden wieder auf. „Sie ist einfach so, wie sie immer gewesen ist. Für mich ist das hier der Platz, an dem ich mir am meisten Kraft holen kann“. Georg schmunzelt. „Es ist ein bisschen wie ein versteckter Balkon hoch über Lofer.“

Kuhglocken, Rehe, Gämse – und sonst nichts

Neben dem atemberaubenden Ausblick ist es die Stille hier oben, die er besonders genießt. „Wenn ich am Morgen hier oben auf der Bank sitze, auf einem Stein oder dort vorne bei der Hütte, dann ist es ruhig. Hin und wieder hört man das Gebimmel von Kuhglocken, manchmal sieht man ein Reh oder eine Gams. Sonst nichts.“ Georg lehnt sich zurück und lächelt. In diesem Moment fällt es uns auch so richtig auf, wie ruhig es hier ist. Um uns herum summen und brummen die Bienen und Hummeln, der laue Sommerwind fährt leise raschelnd durch die Blätter der Bäume. Da dringen Gesprächsfetzen an unser Ohr. Georg richtet sich auf. „Gleich dort unten“, sagt er und zeigt auf einen Punkt unweit unseres Platzes, „geht ein schöner Wanderweg vorbei. Wenn man von Lofer aus auf das Grubhörndl wandert, kommt man hier an der Bräugföllalm vorbei. Von hier aus geht’s auch hinauf auf das Gföllörndl, aber da sollte man schon etwas Bergerfahrung haben.“ Er selbst ist seit Kindesbeinen in den Bergen unterwegs – zum Bergsteigen oder Klettern. „Wenn ich ein bisserl Freizeit habe, klettere ich gerne in den Bergen herum“, schmunzelt Georg. „Dafür gibt es bei uns im Salzburger Saalachtal ja fast unendliche Möglichkeiten.“

Im Familienbetrieb packt jeder mit an

Wobei das mit der Freizeit so eine Sache ist – schließlich ist im Betrieb quasi immer etwas zu tun. Der traditionelle Bergbauernhof mit angeschlossenem Gasthaus, auf dem Georg aufgewachsen ist, liegt oberhalb des Loferer Talbeckens. Vom Krepperbauern aus hat man einen herrlichen Ausblick auf die umliegende Bergwelt bis nach Unken. „Unser Hof ist schon seit Generationen in Familienbesitz“, erklärt Georg. „Früher gab es nur die Landwirtschaft, meine Großeltern haben 1973 dann eine Jausenstation eröffnet. Meine Eltern haben laufend investiert und den Betrieb ausgebaut. Wir haben auch vier Zimmer für Übernachtungsgäste.“

Gekocht wird vor allem mit Produkten aus der eigenen Landwirtschaft

Mittlerweile hat Georg die Gast- und auch die Landwirtschaft übernommen. Apropos Landwirtschaft: 16 Milchkühe, fünf Almochsen und im Sommer zusätzlich rund 80 Weidegänse bevölkern das Gebiet rund um den Krepperbauern. „Wir sind ein Biobetrieb und legen großen Wert auf Regionalität“, sagt Georg. Deshalb stammt auch ein Großteil der Produkte, die der gelernte Koch/Kellner in Form bodenständiger Gerichte im Gastbetrieb auf den Teller zaubert, aus der eigenen Landwirtschaft. Hin und wieder gibt es auch ein feines Wildgericht – Georg ist Jäger und sein Gebiet liegt nur wenige Meter vom Hof entfernt.

Die Faszination an die nächste Generation weitergeben

Der Familienzusammenhalt wird beim Krepperbauern großgeschrieben. „Bei uns helfen alle mit, wir sind ein echter Familienbetrieb“, sagt Georg. Ob sein jüngerer Bruder, seine Eltern oder Verwandte – hier packt jeder mit an. Georg und und seine Lebensgefährtin Tanja sind stolze Eltern von zwei Kindern. Und wenn diese groß genug sind, wird sie ihr Vater bestimmt mitnehmen zu seinem Lieblingsplatzerl auf der Bräugföllalm. Und ihnen den Balkon hoch über Lofer zeigen.

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