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Ein Gefühl von Freiheit

PAUSENGESPRÄCHE

Kurz bevor die Sonne über dem Götzkaser hoch über Unken aufgeht, ist es auf seiner Alm am Schönsten, sagt Nikolaus „Klaus“. Der „Götzbauer“ vom Unkenberg kommt regelmäßig hier herauf, um nach den Kühen zu sehen – aber auch, um den Weitblick zu genießen, die pure, unverfälschte Schönheit der Natur. Und das Gefühl von Freiheit.

Wir treffen den „Götzbauern“ auf seinem schönen Hof am Unkenberg, dem Götzbauernhof. Schon von klein auf, erzählt uns Klaus, interessiert er sich für die Landwirtschaft – für die Natur, für die Lebensmittel und die Tiere. 1995 konnte er den Erbhof schließlich von seinen Eltern übernehmen, die bis heute mit am Hof leben, den Klaus gemeinsam mit seiner Frau Monika bewirtschaftet. Monika – eine gebürtige Bayerin – hat er vor vielen Jahren beim Tanzen kennengelernt, verrät uns Klaus. Beim Rock´n´Roll-Tanzen. „Wir waren beide Turniertänzer“, sagt Klaus und lacht. „Aber heute machen wir das nicht mehr, heute tanzen wir nur noch hin und wieder einen Boogie.“ Gemeinsam haben die beiden drei Kinder – zwei Mädchen und einen Jungen. Es würde ihn sehr freuen, wenn der Hof einmal weitergeführt wird, sagt Klaus. „Landwirtschaft ist einfach ein Generationenprojekt.“ Dafür, dass ihre Kinder die Möglichkeit hatten auf einem Bauernhof aufzuwachsen, sind die beiden dankbar. „Monika und ich waren immer zuhause, so konnten unsere Kinder wirklich mit und bei uns aufwachsen“, erzählt Klaus. „Trotz der vielen Arbeit, die eine Landwirtschaft mit sich bringt, sehe ich es als Privileg, dass ich hier am Hof keinen Arbeitsplatz habe, sondern einen Lebensplatz.“

„Viele Gäste interessieren sich für die Landwirtschaft“

Auch das Bauer-Sein an sich macht ihm große Freude, erzählt Klaus, als wir langsam mit seiner Boarder Collie-Hündin Lina vom Götzbauernhof in Richtung Unkenberger Mähder wandern. „Im Grunde sind wir Landwirte dafür verantwortlich, dass die Menschen das Wichtigste bekommen, was sie zum Leben brauchen: Nahrung“, sagt Klaus. „In gewisser Weise macht mich das schon stolz – es ist einfach schön, dass wir dazu beitragen können, dass es den Menschen gut geht.“ Der Götzbauernhof ist ein Milchviehbetrieb mit eigener Aufzucht, einem Almbetrieb und einer Forstwirtschaft. Lange Jahre war die Landwirtschaft das einzige Standbein des Götzbauern – bis der Tourismus dazukam. „Heute kommen Gäste aus aller Welt zu uns auf den Unkenberg. Und besonders freut mich, dass sich viele unserer Gäste wirklich für die Landwirtschaft interessieren“, unterstreicht Klaus, während wir bei einer Bank mit Aussicht auf die Unkenberger Mähder eine kleine Pause einlegen. Er und seine Frau Monika sehen sich als „Botschafter der bäuerlichen Welt“, die zeigen, wie das echte Leben am Bauernhof aussieht, oder wie Lebensmittel produziert werden. „Unsere Gäste schauen mir oft beim Melken über die Schulter, haben Fragen zu den Kühen, zur Milchproduktion oder zur Natur“, sagt Klaus, der auch langjähriger Bundesobmann von „Urlaub am Bauernhof“ war.

Die Arbeit in der Natur und mit den Tieren

Als Landwirt sieht er sich auch der Natur verpflichtet. „Es ist sehr wichtig, dass das Land, die Natur erhalten wird – so wie die Unkenberger Mähder, die sind etwas ganz Besonderes.“ Der Götzbauer lässt seinen Blick über die Bergwiesen schweifen, die von Unkener Bauern noch jedes Jahr sauber gemäht werden – heutzutage eine Rarität. Deshalb sind die Unkenberger Mähder, von denen aus man bis zum Salzburger Gaisberg blicken kann, Teil von „Natura 2000“, einem europaweiten Programm zur Erhaltung von Lebensräumen für gefährdete Pflanzen und Tiere. Apropos Tieren: Bei diesem Stichwort beginnen die Augen von Klaus zu leuchten. „Die Arbeit mit Tieren mag ich sehr“, sagt der Land- und Forstwirtschaftsmeister. „Man bekommt da einfach so viel zurück“, lächelt Klaus, während er seiner dreijährigen Hündin über den Kopf streichelt.

„Unken ist bodenständig und echt geblieben“

Wir wandern gemütlich bergauf, Unken liegt schon weit unter uns. Er lebt sehr gerne hier, sagt Klaus. Er genießt die zentrale Lage des Ortes im Salzburger Saalachtal und die Tatsache, dass alles sehr bodenständig geblieben ist. „Auch optisch hat unsere Region so viel zu bieten“, unterstreicht Klaus. „Ich mag den Mix aus den runden, sanfteren Grasbergen und den markanten, rauen Steinbergen. Außerdem empfinde ich die Berge bei uns nicht als beklemmend, wie in manchen Tälern. Sie sind einfach nur schön.“ Schließlich sind wir oben, auf rund 1.400 Metern. Hier liegt der Götzkaser und damit das Lieblingsplatzerl von Klaus. Hier auf der Alm, umgeben von blühenden Wiesen und majestätischen Bergen, fühlt sich der 57-Jährige wohl. „Hier habe ich immer ein gewisses Gefühl von Freiheit“, sagt Klaus, als wir uns auf die Bank vor der Hütte niederlassen. „Dort vorne“, sagt Klaus und deutet in Richtung Horizont, „kann man bei guter Fernsicht die Hohen Tauern sehen. Dieser enorme Weitblick, den man von hier oben hat, das gefällt mir besonders gut. In der Früh, kurz nach Sonnenaufgang, ist das oft richtig spektakulär.“ Vor uns grasen die Kühe, Hündin Lina tollt um die Hütte. „Die Lina ist ein ausgebildeter Hütehund“, erklärt Klaus und schaut seiner Hündin stolz hinterher. Wir merken, wie sehr ihm die Tiere und insbesondere seine Hündin am Herzen liegen.

Wenn die Natur erwacht

Klaus unterbricht sich, um Lina zu sich zu rufen, die sofort zu ihm auf die Hausbank springt. „Am Schönsten ist, wenn die Natur erwacht – das kann man hier oben noch so richtig gut wahrnehmen“, nimmt Klaus den Faden wieder auf. „Erst ist alles total ruhig, und kurz bevor die Sonne aufgeht, fängt es an. Da hört man die Vögel zwitschern – erst leise, dann etwas lauter. Hier oben gibt es ja quasi keine Fremdgeräusche. Man kann dabei zuhören und zuschauen, wie die Natur munter wird. Und dann ist die Sonne da und alles ist plötzlich wach und voller Leben.“ Klaus legt seinen Arm um Lina, die sofort die Gelegenheit nutzt und ihrem Herrl einen feuchten Hundekuss auf die Wange drückt. „Ja, ich hab dich ja auch gern“, lacht Klaus. „So, jetzt gehen wir wieder hinunter, gell Lina?“ Die springt schon auf und wartet schwanzwedelnd darauf, bis Klaus über die kleine Holzveranda auf den Feldweg hinuntersteigt, der ins Tal führt. Aber ganz bald, da werden die beiden wieder heraufkommen, auf die Götzalm. Und dabei zusehen, wie ein neuer Tag erwacht.

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