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Nachwuchs bei den Gämsen

Der neue Klettersteig „Gams Kitz“

Es ist nun kein Trio mehr, sondern ein Quartett. Markus Hirnböck von der Alpinschule Hirnböck, der Erbauer des neuen Kinder-Klettersteigs im Bergsteigerdorf Weißbach, ist sichtlich stolz: Die „Gams Kitz“, der mittlerweile 4. Klettersteig neben der Zahmen Gams, der Weißen Gams und der Wilden Gams, ist nach einer Bauzeit von über einem Monat und einem Aufwand von über 200 Arbeitsstunden fertiggestellt und offiziell freigegeben. Er weist als maximale Schwierigkeit A/B auf. Somit ist er für Familien mit Kindern ab 5 Jahren, sowie für Einsteiger optimal geeignet, um möglichst stressfrei und kräfteschonend Kletterluft zu schnuppern.“ Wir haben mit Markus über die Entstehung und die Besonderheiten des Klettersteigs gesprochen.

Hallo Markus, vielen Dank, dass du dir Zeit genommen hast. Wie bist du denn auf die Idee gekommen, noch einen Klettersteig in Weißbach zu errichten?

Wir haben mit der „Zahmen Gams“ bereits einen relativ leichten Klettersteig, der auch für Kinder durchaus geeignet ist. Allerdings habe ich dann gemerkt, dass die Kinder immer jünger werden, die am Klettersteig unterwegs sind und dafür ist die Zahme Gams dann doch zu schwer. Wir brauchten also noch etwas Leichteres. Das Gelände dafür hatte ich schon im Hinterkopf. Nach dem Freilegen und Putzen wurde daraus der Klettersteig „Gams Kitz“. Der Name ist ein Wortspiel aus Kids und Kitz, also den Jungen der Gams.

Wie ist die Herangehensweise, wenn man einen neuen Klettersteig baut?

Man muss dafür die Genehmigung von den Grundeigentümern einholen. Das sind in diesem Fall die Bayrischen Saalforste für das Gelände des Klettersteigs und der Ebserbauer für das Gelände des Zustiegs. Das hat dankenswerterweise einwandfrei geklappt. Und dann sind noch die Gemeinde und der Tourismusverband involviert, v.a. was die Finanzierung betrifft. Nach dem „Go“ von Allen ging es dann mit der Freilegung und dem Bau los.

Bist du beim Bau oder auch jetzt im laufenden Betrieb besonderen Herausforderungen begegnet?

Im Großen und Ganzen bin ich sehr zufrieden mit der Fertigstellung. Allerdings ist die Wartung und Betreuung wie bei allen Steigen sehr aufwändig. Der Steig wird 3 x jährlich geputzt und laufend kontrolliert. Am Beginn wurde sogar mit dem Feuerwehrschlauch alles abgespritzt. Es ist zwar ganzjährig möglich den Steig zu nutzen, allerdings erfolgt in den Wintermonaten keine Wartung, sondern Ende April dann die offizielle Revision.

Was macht die „Gams Kitz“ so geeignet für Kinder und was sind ihre Highlights?

Das beginnt schon mal bei der Infrastruktur: Wir haben zwei nahegelegene Parkoptionen – beim Gasthof Auvogel und in Frohnwies – mit Toilettenmöglichkeit und einen Verleih für Klettersteigausrüstung direkt vor Ort beim „Oafoch Guat“. Der Zustieg zum Klettersteig ist mit fünf Minuten kurz und einfach und außerdem recht schattig – so wie der ganze Klettersteig. Am Einstieg befindet sich nochmal eine Übersichtstafel für den kompletten Steig. Beim Klettersteig selbst ist das Stahlseil zum Einhängen auf Kinderhöhe ausgerichtet. Entlang des Steiges befinden sich spannende Infotafeln, mehrere Pausenplatzl und sogar eine „Klimmzug-Buche“. Für besonders mutige Kinder gibt es mit der ,Angsti-Fürchti-Passage‘ einen ausgesetzten Quergang, der eine Variante zum Normalweg bietet. Oben angekommen erwartet die Kletternden ein kindergerecht eingezäunter Bereich mit Gipfelfelsen, Wandbuch und Sitzbank. Zu den Highlights für Kinder: Das ist zum einen die „Angsti-Fürchti-Passage“. Viele machen den Steig beim ersten Mal ohne diese etwas herausfordernde Passage und freuen sich umso mehr, wenn sie diese beim nächsten Versuch meistern. Zum anderen sind es die Seilbrücke und die Leiternbrücke gegen Ende des Steigs, die den Kindern sehr gefallen.

Was gilt es ausrüstungstechnisch generell zu beachten? Können Kinder denn die Karabiner schon allein bedienen?

Moderne Karabiner können Kinder alleine öffnen und einhängen. Am Klettersteig ist aber gerade bei kleineren Kindern auf jeden Fall eine 1:1-Betreuung durch einen Erwachsenen notwendig. Dieser klettert direkt hinter dem Kind und achtet darauf, dass keine Fehler passieren. Möglich ist der Klettersteig nämlich bereits für Kinder ab 4 Jahren, empfohlen wird er ab 5 Jahren. Grundsätzlich benötigen kleinere Kinder bis ca. 6 Jahren einen Komplettgurt, der auch über die Brust verläuft. Später reicht ein Hüftgurt. Als Klettersteigset kann das gleiche wie für Erwachsene verwendet werden, spezielle Kinderklettersteigsets kann ich nicht empfehlen. Außerdem ist ein Helm nötig. Die Kleidung sollte der Witterung angepasst und bequem sein, als Schuhe reichen am Anfang stabile Turnschuhe. Wie bei jeder sportlichen Aktivität gilt es ausreichend Essen und Trinken, Sonnenschutz und Erste Hilfe mitzunehmen.

Was müssen Kinder können, um den Klettersteig zu schaffen?

Ich würde eher sagen, es sind die Eltern, die dem Ganzen gewachsen sein und Souveränität ausstrahlen müssen. Das Kind sollte motiviert sein, Spaß haben und für die „Angsti-Fürchti-Passage“ keine Höhenangst haben. Die Erwachsenen müssen natürlich wissen, wie die Ausrüstung und das Einhängen des Klettersteigsets am Klettersteig funktioniert. Wer noch keine Kenntnisse hat, dem sei unser wöchentlich stattfindendes Klettersteigtraining empfohlen. Hier lernen sowohl Erwachsene als auch Kinder die nötigen Fähigkeiten, um alleine in den Klettersteig starten zu können.

Wie oft bist du den Steig selbst schon gegangen?

Ca. 50 Mal pro Saison. Also weit über 100 Mal.

Und was waren dabei deine einprägsamsten Erlebnisse?

Den Spaß und den Stolz der Familien zu sehen. Sowohl von den Kindern als auch den Erwachsenen. Die Freude ist bei den Kids besonders groß, weil sie viel weniger Angst als die Erwachsenen haben und sich geschickter anstellen. Das heißt, oft motivieren die Kinder dann die Eltern. Etwas Besonderes für mich ist auch das Gipfelbuch, das in den letzten zwei Jahren schon über 4.000 Einträge verzeichnete. Die darin enthaltenen Botschaften, Gedichte, Sprüche und Gedanken schaue ich mir immer wieder gerne an.

Markus, vielen herzlichen Dank für das Gespräch und dein Engagement.

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