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Das Bankerl über Lofer

PAUSENGESPRÄCHE

Es gibt wohl keinen Gipfel im Salzburger Saalachtal, den Georg noch nicht bezwungen hat. Mit seinen 84 Jahren strahlt dem „Knappen-Schurl“ von Lofer immer noch unbändige Lebensfreude aus den Augen – und der Schalk. Wir durften uns zu ihm auf sein Lieblingsbankerl mit Blick auf das Loferer Becken setzen und über sein Leben und seine Heimat „hoagaschten“.

Im goldenen Herbstlicht, dass dem Loferer Becken einen märchenhaften Glanz verleiht, macht es sich Georg Schmuck auf seinem Bankerl in Scheffsnoth gemütlich. Vor ihm bilden die majestätischen Loferer Steinberge ein atemberaubendes Panorama. Georg lächelt zufrieden und streicht über das wettergegerbte Holz. „Das hier ist mein Lieblingsbankerl“, sagt der 84-Jährige. „Zum einen, weil ich es selbst hergesetzt hab. Zum anderen, weil ich von klein auf in dieser Gegend unterwegs war. Hier drüben war früher eine Steinzaun“, sagt er und zeigt auf eine Stelle unweit seines Bankerls, „und dort drüben habe ich meinen ersten Hirsch geschossen. Das war 1967.“ Georg lacht. „Ist also schon ein bisserl her.“

Ein Bankerl voller Erinnerungen

Aufgewachsen ist Georg beim Knappenbauern, nicht weit von seinem Lieblingsbankerl entfernt. „Schon als Bub musste ich am Hof mithelfen – damals wurde jede Hand zum Arbeiten gebraucht“, erinnert sich Georg. „Ich habe am Hof viele schöne Stunden erlebt, aber die Arbeit war auch anstrengend. Hier auf dem Bankerl haben wir immer gerne Rast gemacht. Haben hinuntergeschaut ins Tal und waren einfach nur froh, dass wir die Ruhe genießen konnten, nichts tun mussten. Mit diesem Bankerl sind viele Erinnerungen verbunden. Deshalb habe ich es von allen Bankerln, die ich kenne, am liebsten.“ Das Leben vom Knappen-Schorsch ist untrennbar mit dem Salzburger Saalachtal verbunden. Er war dabei, als die ersten Lifte in der Region gebaut wurden, kennt die Berge, Hügel und Wälder genauso wie die Menschen, die hier leben. „Wenn ich in Weißbach oder Unken unterwegs bin, treffe ich immer jemanden, den ich kenne und mit dem ich gerne rede, also hoagaschte“, sagt Georg. „Das ist neben der herrlichen Natur für mich auch ein Grund, warum das Salzburger Saalachtal so lebenswert ist.“

Grenzenlose Wanderungen und deftige Witze

Als Wanderführer brachte Georg die Schönheit seiner Heimat Gästen aus Nah und Fern näher. Kaum ein Gipfel in der Region, auf dem er nicht schon war. „Von hier aus kann man fast grenzenlos gehen“, sagt Georg und macht eine weitausholende Geste. „Da kommt man zur Scheffsnother Alm, weiter aufs Große Hundshorn oder auf die Jochingalm. Wenn man weitergeht, kommt man auf die Mooswacht hinüber, auf den Hirschbichl. Dort kann man weitergehen auf die Kallbrunnalm und aufs Ingolstädter Haus.“ Georg lächelt, während er sich umblickt.

„Es ist einfach ein wunderschönes Gebiet.“ Eine der größten Herausforderungen bei seinen Bergtouren war, dass die Kondition der Gäste stark variierte, erzählt Georg. „Manche wären mit mir durch Sonne und Mond gegangen, und anderen ging halt schon bald die Luft aus“, sagt Georg und zuckt mit den Schultern. Aber auch für diese Fälle war er vorbereitet. „Wenn ich gesehen habe, dass sich einige aus der Gruppe schon schwergetan haben, dann bin ich einfach stehengeblieben, habe ihnen etwas gezeigt oder einen Witz erzählt.“ Georg hält kurz inne und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Manchmal auch einen etwas Schlimmeren. So hat keiner gemerkt, dass ich das aus Rücksicht auf die Schwächeren gemacht hab. Und es ist zum Glück nie etwas passiert.“

Erinnerungen, auf Leinwand gebannt

Einmal, erzählt Georg, musste er einen 14-jährigen Buben von der Schmidt-Zabierow-Hütte bis ins Tal hinuntergetragen. Die Hütte liegt auf 1.966 Metern Höhe am Rand der Großen Wehrgrube in den Loferer Steinbergen. „Der Bub konnte nicht mehr gehen. Ein Handy hat es damals noch keines gegeben, und der Bub war einfach fertig. Dann habe ich ihn halt von fast ganz oben bis ins Tal hinuntergetragen.“ Eine solche Aufregung hat Georg heute nicht mehr. Zwar ist er immer noch sehr gerne und oft in den Bergen unterwegs. Aber genauso gerne verewigt der Hobbymaler die kostbaren  Augenblicke in den Bergen in seinen Bildern. Ein Hirsch im dunkelgrünen Wald. Ein Reh auf einer Lichtung – in Aquarell- oder Acryltechnik auf Leinwand gebannt. Aus jedem Bild spricht Georgs Liebe zur Region, seinem Salzburger Saalachtal. Lächelnd lehnt sich Georg zurück und blickt hinunter auf das Loferer Becken. In Gedanken vielleicht schon beim nächsten Bild, mit dem er die Schönheit seiner Heimat in strahlenden Farben sichtbar machen wird.

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