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Schritt für Schritt

in Richtung Nachhaltigkeit

Wenn es um Tourismus und Umweltschutz geht, erweckt die mediale Berichterstattung gelegentlich den Eindruck als wären Touristiker, Seilbahner und Lokal-Politiker durch die Bank gierige Geschäftemacher, die ohne jede Rücksicht auch den letzten Baum für neue Gästebetten fällen würden. Dass dieses Bild nicht ganz der Realität entspricht und die touristischen Akteure sehr wohl um den Ast wissen, auf dem sie sitzen, zeigen nachfolgende Beispiele aus dem Salzburger Saalachtal.

Bergsteigerdorf Weißbach:

Vorbild in Sachen Klimaschutz

Wo manch andere Nachhaltigkeit als theoretisches Schlagwort sehen, macht die Naturparkgemeinde Weißbach vor, wie es in der Praxis funktionieren kann. Den Eigenbedarf an Strom erzeugt das Bergsteigerdorf künftig vollständig mithilfe der Sonne. Trotz der hohen Berge, die den Ort umgeben, ist der Ertrag sehr gut – das bestätigen auch unabhängige Energieex­perten. Doch damit nicht genug: Weißbach ist auch Teil des österreichweiten „e5- Programms“, das sich den klimaschonen­den Einsatz von Energie zum Ziel gesetzt hat. 36 Salzburger Gemeinden nehmen an diesem Programm Teil, aber nur drei davon haben bisher alle fünf „e“ erreicht. Weißbach ist eine davon. Das bedeutet, dass die Gemeinde über 75 Prozent der möglichen Verbesserungen bereits umgesetzt hat – zum Beispiel im Bereich Stromerzeugung: Bereits 2004 setzte man in der Gemeinde Weißbach auf erste Fotovoltaikmodule, im Sommer 2021 wurde aufgestockt. Insgesamt 154 neue und noch leistungsstärkere Module zieren nun das Dach der Volksschule und der Feuerwehr Weißbach. Damit werden 54.000 Kilowattstunden im Jahr erzeugt – das ist die Menge an Strom, die für alle Betriebsgebäude der Gemeinde und die LED-betriebene Straßenbeleuchtung benötigt wird. Auch das Elektroauto für das Car-Sharing wird mit diesem grünen Strom versorgt. Im wahrsten Sinne des Wortes vorbildlich ist Weißbach auch, was das Heizen betrifft: Mit der Abwär­me, die von der ortsansässigen Firma Thermoholz bei der Produktion anfällt, wird fast der gesamte Ortskern beheizt. So konnte der Einsatz von Heizöl in den letzten zwanzig Jahren um 89 Pro­zent verringert werden. Bald soll es in Weißbach keine einzige Ölheizung mehr geben. Auch das wäre ein Novum – da­mit wäre Weißbach die erste Gemeinde Österreichs ohne Ölheizung. Für diese vorbildliche Leistung im Auftrag der Umwelt wurde Weißbach der European Energy Award in Gold verliehen – ein europäisches Gütezertifikat für die Nach­haltigkeit der Energie- und Klimaschutz­politik von Gemeinden.

Salzburgs einziger Eco-Campingplatz befindet sich im Salzburger Saalachtal

Eine Auszeichnung erhielt auch der Camping Grubhof: Das Salzburger Umweltblatt für die Mülltrennanlage des Campingbetriebs. „Das ist zwar nicht so ein tolles Thema“, lacht Inhaber Robert Stainer, „aber schlussendlich ist es ein sehr wichtiges.“ Der Camping Grubhof zwischen Lofer und St. Martin ist der einzige Eco-Campingplatz in Salzburg und auch der einzige Campingplatz, der das österreichische und europäische Umwelt­zeichen besitzt. Auf einer Seite von der Saalach begrenzt, auf der anderen Seite von weiten Wiesen und alten Bäumen umschmeichelt. So sei es nur logisch, sagt Robert Stainer, dass der Schutz dieser Natur Priorität hat. „Wir schauen uns unter anderem an, wie viel Wasser wir pro Jahr benötigen, wie viel Abfall produziert oder wie viel Strom verbraucht wird“, sagt der Campingplatz- Betreiber. Bei über 1.000 Gästen täglich, die auf dem ökologischen Campingplatz übernachten, kommt da schon was zu­sammen. Anhand dieser Zahlen steuert Robert Stainer auch gegen, wo nötig. Etwa beim Abfall. Weil ihm aufgefallen ist, dass viele Gäste stilles Mineralwasser kaufen und die Plastikflaschen dann in der Tonne landen, haben die Stainers vor drei Jahren eine Aktion gestartet: „Jeder Gast erhält von uns eine Glasflasche geschenkt – als nett gemeinten Wink, dass man das Was­ser, dass aus dem Anschluss direkt beim jeweiligen Stellplatz kommt, sehr gerne trinken kann. Schließlich ist die Wasser­qualität im Salzburger Saalachtal hervor­ragend. Und als positiver Nebeneffekt wird weniger Müll produziert.“ Eine Sensibilität für solche Dinge zu entwickeln, das sei seiner Meinung nach sehr wichtig, sagt Stainer. „Viele wissen gar nicht, wie viel Strom sie pro Jahr brauchen oder wie viel Müll sie erzeugen. Uns geht es darum, dass wir uns diesbezüglich stetig weiter­entwickeln und der ökologische Fußab­druck so immer kleiner wird.“ Abgerundet wird das Nachhaltigkeits-Konzept des Camping Grubhof von einer Fotovoltaik-Anlage mit 125 Kilowatt-Peak. Damit wird rund ein Viertel des Strombedarfs des gesamten Campingplatzes gedeckt und es werden die drei E-Autos des Campingplat­zes mit Strom versorgt. Apropos Elektro­mobilität: Um diese zu fördern, haben die Stainers sechs öffentliche Ladestationen installiert.

Clevere Konzepte und innovative Lösungen im Familienhotel

Auf die Kraft der Sonne setzt auch das Post Family Resort in Unken. Gertraud und Matthäus Unseld nutzen bereits seit fünf Jahren in ihrem 4-Sterne Superior Familienhotel saubere Sonnenenergie. 55 Kilowatt-Peak Leistung auf rund 200m2 Fläche gehen auf das Konto der Fotovoltaik-Anlage. Der gewonnene Strom wird zu hundert Prozent in das Netz des Hotels eingespeist. Das entspricht in etwa einer Stromersparnis von 8.000 bis 10.000 Euro pro Jahr, erklärt Gastgeber Matthäus Unseld. Im Haus spinnt sich der Nachhaltigkeits-Gedanke weiter: Bei der Zimmerreinigung wird fast gänzlich auf chemische Mittel verzichtet. Geputzt wird mittels moderner Reinigungsgeräte mit heißem Dampf statt mit schädlichen Chemikalien. Und auch auf dem Teller der Gäste landen nur beste Lebensmittel aus der Region. „Mein Sohn ist für den regio­nalen Einkauf verantwortlich und nimmt das sehr ernst“, unterstreicht Matthäus Unseld. Dafür spricht auch die Auszeich­nung mit dem Gütesiegel AMA GENUSS REGION. Eier und entrahmte Milch für die Kaffeemaschinen liefert der Perchthof in Unken, Forellen das Unkener Ennsmann­gut, das Wild kommt aus eigener Jagd und wird zu hundert Prozent im Hotel verwertet, Gemüse holt der Chef persön­lich aus Siezenheim bei Salzburg, seiner alten Heimatgemeinde. Das Käsebuffet am Abend organisiert Jörg Zisler vom „Oafoch guat“ in Weißbach, das Brot für die selbst­gemachten Aufstriche wird jeden Tag frisch im Hotel gebacken. Und ein weiteres Highlight gibt es im Hotel: die Abwärme des hauseigenen, überdachten Eislaufplat­zes mit Kunsteis wird für die Heizung des Thermalwasserpools verwendet.

Ein Solarzaun für die Hühner der „Henasteig´n“

Ein etwas anderes Highlight ließ Herbert Rohrmoser auf seinem Grund und Boden installieren: einen Solarzaun. Der Gast­geber des Restaurants „D‘Henasteig‘n“ in Sankt Martin bei Lofer ist gleichzeitig Betreiber eines Bio-Hofs. 1.000 glückliche Hühner leben dort – und die brauchen viel Auslauf. Weil ihnen der Nachhaltig­keitsgedanke wichtig ist, hat sich Familie Rohrmoser für einen Solarzaun entschie­den – den ersten in Österreich. „Der Zaun ist etwa 380 Meter lang und leistet rund 55 Kilowatt-Peak“, erklärt Herbert Rohr­moser. So sind nicht nur die Hühner einge­zäunt, es wird auch Energie erzeugt.

Meiberger Holzbau

Wie Nachhaltigkeit im Baubereich funktioniert zeigt Meiberger Holzbau aus Lofer. Bereits 2010 wurde der Betrieb mit dem Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit ausgezeichnet, seit 2013 ist Meiberger Holzbau auch Mitglied beim Klimabündnis Österreich. Bei der Produktion der hochwertigen Holzbauten, erklärt Wolfgang Aigner, wird die nach­haltige Kreislaufwirtschaft sinnvoll mit einbezogen. Angefangen beim Rohstoff Holz – der übrigens primär in unbehandel­ter Form zum Einsatz kommt – bis hin zur Verwertung des Zimmerei- oder Bau­stellenrestholzes über das benachbarte Bio-Heizwerk. Die dabei erzeugte Energie erhält Holzbau Meiberger wiederum als Wärme zurück – eine echte Win-win-Situ­ation. Die Fotovoltaik-Anlage am Dach des Betriebs mit 170.000 Kilowatt-Peak liefert schließlich die Energiemenge, die das gesamte Unternehmen benötigt. Meiberger Holzbau ist damit bilanziell gesehen energieautark. Weil dabei sogar noch etwas Energie übrigbleibt, stehen jetzt auch noch vier E-Autos parat.

Almenwelt Lofer

Wenn Ihr schon einmal die Bergwelt von Lofer mit allen Sinnen erlebt habt, dann wisst Ihr: Diese Schönheit muss erhal­ten und geschützt werden. So sieht das auch die Bergbahn Lofer GmbH. Deshalb wurde unter anderem eine Fotovoltaik-Anlage errichtet, die Strom für einige kleine Schlepplifte erzeugt. Bei der Lage der Speicherteiche ist man gesegnet, da viel Wasser mit natürlichem Zulauf gewonnen wird. „Wir können die Teiche mit dem natürlichen Zufluss auf 1.500 Metern mit wenig Pumpleistung optimal als Zwischenspeicher für die Beschneiung im Winter nutzen“, erklärt Willi Leitinger. Die Natur macht dann im Frühjahr den Rest: Da werden die Speicher durch die Schneeschmelze auf natürliche Weise wieder gefüllt. Und übrigens, habt Ihr gewusst, dass jährlich ein Schneedepot mit durchschnittlich 10.000 m3 Schnee angelegt wird? Gegen Ende der Winter­saison wird der Schnee zusammenge­schoben, mit Planen und Hackschnitzel abgedeckt, um diesen über den Sommer zu konservieren. Ca. 75% dieses Depots können erhalten werden. Dadurch wird die Kunstschneeproduktion vor der neuen Ski­saison geringer gehalten. An die Umwelt gedacht hat man auch, was die Karten für die Bergbahnen betrifft. „Viele Bergbah­nen verwenden Wegwerfkarten aus Papier. Da kommt viel Müll zusammen“, so Willi Leitinger. „Wir haben bei Skipässen kom­plett auf wiederverwendbare Chip-Karten umgestellt. Das funktioniert auf Pfandba­sis und berührungslos.“

Unken weil´s schmeckt

Nachhaltigkeit auf im wahrsten Sinn des Wortes köstliche Art und Weise bietet der Verein „Unken weil´s schmeckt“. Fünf Landwirte haben sich zusammengetan und ziehen an einem Strang, um Gästen wie Einheimischen beste Qualität aus der Region zu bieten. Das Besondere: Jeder Bauer hat eine andere, eigene Speziali­tät. Produziert wird ausschließlich selbst – mit eigenen Händen. Der Ennsmannhof bietet unter anderem Fische aus eigenen Teichen, der Köstlerbauer liefert aro­matischen Käse mit klingenden Namen wie „Wiesenfuchs“ oder „Auteufel“. Beim Kräuterhof Lutzbauer ist der Name Programm, vom Perchthof gibt’s unter anderem frisches Brot und Milch und der Reitbauer steuert „Gutes von der Ziege“ bei. Kaufen könnt Ihr die hochwertigen regionalen Produkte bei den Hofläden der teilnehmenden Bauern oder in der ADEG-Filiale in Unken. Dort gibt es ein eigenes Regal, das nur für die „Unken weil´s schmeckt“-Produkte reserviert ist. Ge­fertigt wurde das Regal aus heimischem Holz von einem der Mitglieder – Thomas Willberger vom Ennsmannhof. In Harmonie mit der Natur und in Har­monie miteinander – so schließt sich der Kreis. Aber am besten, Ihr überzeugt Euch vor Ort von der mit Leidenschaft gelebten Nachhaltigkeit im Salzburger Saalachtal.

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